Call for Papers: Tagung „Digitale Edition alter Musik“ im Juni 2027 in Hamburg
7. Mai 2026, von Webmaster

Foto: Musikedition17
Tagung des DFG-Langfristvorhabens „Digitale Musikedition: Offene Werkgestalt im 17. Jahrhundert“
Digitale Edition alter Musik
Call for Papers
Zeit: 17.–19. Juni 2027
Ort: Hamburg, Warburg-Haus
Es steht außer Frage, dass die musikalische Editionspraxis im Zuge der Digitalisierung eine Fülle an neuen Impulsen erfahren hat. Dabei fällt auf, dass sich das bislang für digitale und hybride Editionen berücksichtigte Repertoire überwiegend auf den Zeitraum vom ausgehenden 18. bis zum 20. Jahrhundert konzentriert. Der historische Ausschnitt deckt sich auffallend mit einem mehr oder weniger virulenten und längst als Chimäre entlarvten Werkbegriff, wie er für ältere Musik nicht einmal ansatzweise reklamiert werden kann. Dadurch sind allerdings nicht automatisch die editorischen Schwierigkeiten verschwunden. Im Gegenteil: Durch die Aufwertung alternativer Varianten und Vorstufen wird der Stellenwert einer Hauptfassung, wie sie nicht zuletzt für die Musikpraxis und damit eine zentrale Zielgruppe von Noteneditionen bedeutungsvoll ist, zunehmend problematisch.
Die Widerstände, die sich aus der Überführung eines offenen Werkverständnisses in eine kritische Edition ergeben, sind erheblich. Zugleich ist es genau derjenige Aspekt, bei dem digitale Optionen besonders vielversprechend erscheinen. In aller Schärfe stellt sich das Grundsatzproblem zwischen offenem Werkbegriff und kritischer Edition bei Musik der Frühen Neuzeit und des Mittelalters. Die sich immer weiter entwickelnde Technik eröffnet hierbei Potenziale für neue digitale Formate. In diesem Zusammenhang widmet sich das Hamburger DFG-Langfristvorhaben „Digitale Musikedition: Offene Werkgestalt im 17. Jahrhundert“ der Erarbeitung einer kritischen Edition mit digitalen Mitteln, die der spezifischen Überlieferungsproblematik der oftmals disparaten Kompositionen so weit wie möglich gerecht zu werden versucht. Das von wirkmächtigen Neuerungen wie dem Generalbass und der allmählichen Verfestigung der Dur-Moll-Tonalität geprägte Repertoire schließt aufgrund der charakteristischen aufführungspraktischen Flexibilität die Festlegung einer unveränderlichen Werkgestalt aus – ein idealer Startpunkt für die Suche nach digitalen Lösungen.
Die spezifische Variabilität von Musik der Frühen Neuzeit und des Mittelalters bildet für den Einbezug digitaler Optionen eine reiche Grundlage. Welche Herangehensweisen bieten sich an und welche digitalen Mittel stehen überhaupt zur Verfügung? Wo liegen zum jetzigen Zeitpunkt die Grenzen dieser Möglichkeiten und wie lassen sie sich unter Umständen überwinden? Ausgehend von diesen Fragen soll die Tagung unterschiedlichste Aspekte digitaler Einsatzgebiete thematisieren und den Blick für die vielfältigen Möglichkeiten im Umgang mit alter Musik weiten. Mögliche Schwerpunkte könnten sein:
- Grundsätzliche Fragen und Probleme bei der Edition alter Musik
- Die Spezifik älterer Notationsformen
- Digitale Werkzeuge in der Editionspraxis
- Der Stellenwert historischer Aufführungspraxis in der (digitalen) Edition
- Vom digitalen Umgang mit den Quellen
- Neue Perspektiven auf den Kritischen Bericht
- Wissenschaftlicher Nutzen und praktischer Zweck musikalischer Editionen
- Potenziale und Grenzen von digitalen Lösungen in der alten Musik
- KI in digitalen Editionen
- u. a.
Die Tagung findet in deutscher und englischer Sprache statt. Vorgesehen sind 20-minütige Referate mit anschließender Diskussion. Nach der Tagung werden die gesammelten Beiträge zeitnah veröffentlicht.
Reise- und Aufenthaltskosten werden nach Möglichkeit vom Projekt übernommen.
Bitte senden Sie ein Abstract (max. 300 Wörter) mit einem Kurz-CV bis zum 30. September 2026 an laura.martens"AT"uni-hamburg.de. Nachdrücklich zur Bewerbung eingeladen sind Wissenschaftler:innen in frühen Karrierephasen.
Wir freuen uns auf Ihre Einreichungen!
Juliane Pöche, Ivana Rentsch, Laura Martens, Nils Thiele-O’Sullivan
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