Bruno Reudenbach (1952-2025)
8. Dezember 2025, von Dr. Anke Napp

Foto: CSMC
Das Kunstgeschichtliche Seminar der Universität Hamburg trauert um Univ.-Prof. Dr. Bruno Reudenbach (1952–2025). Wir haben einen hochgeschätzten Kollegen verloren, der seit 1986 am Seminar forschte und lehrte, unsere Institution mit seiner exzellenten fachlichen Expertise, seinem klaren Urteil und seinem zugewandten, warmherzigen, kollegialen Umgang entscheidend prägte. Reudenbach hat seit seiner Berufung an die Universität Hamburg im Jahr 1986 eine große Zahl von Absolvent:innen im Bereich der Kunst des Mittelalters betreut, die heute wichtige akademische Positionen im In- und Ausland einnehmen und ihm auch nach ihrem Studienabschluss eng verbunden blieben. Als international anerkannter Experte für mittelalterliche Kunst, als exzellenter Manuskriptforscher hat Reudenbach den akademischen Diskussionen wichtige neue Impulse gegeben, vor allem seine Studien zur Reliquienverehrung, zu Bibelillustrationen, zur Kunst der Karolinger und Ottonen, zur Jerusalemwallfahrt, aber auch zur Mittelalterrezeption in der Zeit des Nationalsozialismus haben bis heute den Rang von Grundlagenwerken und Handbüchern. Selbst die 1979 erschienene Dissertation zur Architekturauffassung von G.B. Piranesi ist in der Piranesi-Forschung nach wie vor vielzitiert. Reudenbach war Vorsitzender des Beirats der Aby-Warburg-Stiftung, langjähriger Leiter des Deutschen Bibel-Archivs und Herausgeber der Reihe „Vestigia Bibliae“, Mitglied im Komitee des Mediävistischen Arbeitskreises der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel sowie 2018–2025 Seniorprofessor am Centre for the Study of Manuscript Cultures und dem Exzellenzcluster der Universität Hamburg „Understanding Written Artefacts“. In diesen Funktionen lag ihm das interdisziplinäre Gespräch und der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Kontexten und Ländern immer sehr am Herzen. Mit ihm über Kunst zu sprechen war eine enorme Bereicherung, von seiner schier unerschöpflichen Expertise und Sachkenntnis, aber auch von seiner Begeisterung für die gestalterischen Spezifika der jeweiligen Werke sowie deren historische Kontexte profitierten bis in jüngste Zeit nicht nur Kolleginnen und Kollegen, sondern auch zahlreiche Studierende aus dem In- und Ausland. Bruno Reudenbach hatte stets ein offenes Ohr und teilte sein Wissen großzügig und mit viel Einfühlungsvermögen in die jeweilige Gesprächssituation. Seine unprätentiöse Art und Bescheidenheit hatten immer konkrete Ergebnisse im Blick. Jede Form von übertriebenem Aufsehen war ihm vollkommen fremd. Seine Verlässlichkeit und sein Humor zeichneten ihn so besonders aus. Wir werden Bruno Reudenbach stets ein ehrendes Angedenken bewahren und uns in Dankbarkeit daran erinnern, was er für die Kunstgeschichte und die Manuskriptstudien in Hamburg geleistet hat. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.

